Freitag, 6. April 2007

Störfall

Im Falle des Falles, des Störfalles mit Freisetzung von Radioaktivität nämlich, wird die Einnahme von Iod-Tabletten empfohlen, um eine Ansammlung radioaktiven Iods in der Schilddrüse zu verhindern, was zu Schilddrüsenkrebs führen kann.
Aus diesem Grund erhält der Zuzügler, für den Fall, dass im nicht weit entfernten AKW Mühleberg einmal das Unmögliche passieren sollte, bei seiner fremdenpolizeilichen Anmeldung in Biel obige Tablettenpackung.
Theoretisch zumindest erhält er sie. Ich nicht. Mein ebenfalls deutscher Nachbar hingegen schon. Hat es die Dame vom Amt schlicht vergessen? Oder war ich ihr vielleicht unsympatisch? Man sieht: Die Atomsicherheit weist bereits hier klaffende Lücken auf.
Laut Greenpeace Schweiz gibt es hierzulande ca. alle zehn Jahre einen Störfall. Bei einem halben Jahr Aufenthalt und fünf AKWs im Land; hm... Bleibt zu hoffen, dass sich gegebenenfalls mein Nachbar großzügig zeigt. Zu viel Iod kann schließlich wiederum eine Hyperthyreose verursachen.

Genug rumgealbert über überaus ernste Dinge.

Samstag, 31. März 2007

143

Gesehen an einer verflixt hohen Brücke in Bern.

"Wenn es einfach schwierig wird" Was dahinter steckt? Nun, in der Schweiz gibt es nicht nur für Polizei (112 und 117), Feuerwehr (118) und Rettungsdienst (144) einen Notruf, sondern auch für persönliche Kriesen: 143.
Dahinter steht die "Dargebotene Hand", unter deren Dach Freiwillige Telefon- und Internetseelsorge betreiben - und an Stellen, wo potentielle Seelsorgebedürftige sie sehen könnten, Schilder aufhängen.

Ein Nachtrag: Ob die Werbefritzen hier auch schon Schweizer Brücken überschritten haben?

Donnerstag, 29. März 2007

Rust never Sleeps

Sollte ich den süddeutschen Raum aus dem Kopf zeichnen, wäre da sicherlich irgendwo rechts München, ganz unten der Bodensee und viel weiter würde es bei mir mit dem Süden der Heimat dann nicht mehr reichen. Für die Schweizer gibt es im grenznahen Deutschland jedoch einen ganz anderen Fixpunkt.
Wie Forscher mit dem Stellen obiger Zeichenaufgabe und ich mit dem von Fragen übereinstimmend feststellen konnten, trifft sich die Schweiz im... ...Europapark Rust. Man kann fragen, wen man will; wenigstens einen Tagesausflug nach Rust haben sie alle auf dem Buckel.
In einer Artikelserie unter der Überschrift "Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?" zählt der Blick, die Schweizer Version der kleinformatigen Boulevardzeitung, die Dinge auf, die an Deutschland liebenswert sind. Neben den üblichen Verdächtigen wie Autobahnen ohne Tempolimit, Aspirin und Beate Uhse selbstverständlich: der Europapark. Zur Blick-Kampagne dann ein andermal mehr.
Wie man der Fan-Seite www.ep-inside.net entnehmen kann, sind es zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen nur noch 1 Tag und 10 Stunden bis zur Öffnung des Parks nach der Winterpause. Zeit also, schon mal Euros zu besorgen.
Ach was waren das für Zeiten, in denen ich Legoland auf der Dänemarkkarte gesucht habe...

Sonntag, 25. März 2007

Rösti-Howto

Heute der versprochene Einblick in die Schweizer Bratpfannen1. Rösti wird es geben, eines der Nationalgerichte der deutschsprachigen Schweiz.
Für zwei Portionen benötigt man:
  • ca. 1kg festkochende Kartoffeln
  • Bratbutter
  • eventuell Käse
Das Rösti ist in gewisser Weise mit dem deutsch Kartoffelpuffer verwand, weist aber, wie sich zeigen wird, einige Unterschiede auf.
Nachdem man die geschälten, rohen Kartoffeln mit der Röstiraffel in feine Streifen zerrieben hat, brät man diese mit etwas Bratbutter an. An dieser Stelle kann man auf Wunsch dann ebenfalls geraffelten Käse hinzugeben. Ist diese geschehen, drückt man das ganze in der Bratpfanne zu einem großen flachen Fladen zusammen. Dieser ist dann einmal zu wenden.
Den echten Eidgenossen erkennt man daran, dass er den Wendevorgang mit einem routinierten Schwung aus dem Handgelenk meistert und dabei den Fladen mindestens einen halben Meter in die Luft katapultiert. Wer beim ersten Versuch weniger risikofreudig ist, kann auch einen Teller zur Hilfe nehmen. Hat man sich für Käse entschieden, läuft man auch kaum Gefahr, dass das ganze kaputt geht.
Dazu gab es bei uns Geschnätzeltes; hier stehen aber alle anderen Wege offen.
Einen guten Appetit dann also.

1 Der "Brat"-Zusatz ist wichtig; unter einer Pfanne versteht man hier das, was in Deutschland ein Topf ist.

Donnerstag, 22. März 2007

Nicht tot zu kriegen: Werbung mit Prominenten

Seine kantigen Züge hier plakatier zu sehen, hat mich erst ein wenig verwundert. Aber richtig, der Mann hat Monaco ja schon vor geraumer Zeit Richtung Genfer See verlassen.
Es sind also nicht nur die Deutschen und Italiener, die Anspruch auf ihre Rennfahrerlegende erheben; die Schweizer scheinen auch mit im Boot zu sein.
So darf Schumi I nun neben diverser anderer Prominenz für die Schweizerische Landwirtschaft werben. Interessanterweise ist er das einzige Gesicht in der Plakatreihe ohne erklärenden Zusatz nach dem Muster "Horst Beil, Metzgermeister". Aber was sollte man auch schreiben? Ex-Rennfahrer? Motorsportberater? Formel 1-Legende?
Meinen Lieblingsslogan in dieser Kampagne hat allerdings der mir unbekannte Stephan Eicher, Musiker, abbekommen: "Schweizer Bauern? Ja, unbedingt!"
Bei nächsten Mal dann etwas darüber, was man mit den hochpreisigen Produkten der Schweizer Bauern so anstellen kann.

Samstag, 17. März 2007

P.C.

Liebe Leser, Leserinnen und kleine pelzige Kreaturen von Alpha Centauri,
die Konventionen der politisch korrekten, geschlechtsneutralen Anrede sind inzwischen dermaßen in das Grundrauschen der Sprache eingegangen, dass man kaum noch über sie nachdenkt. Es sei denn natürlich, man stößt plötzlich auf andere.
Während in Deutschland Formen wie "Blogger und Bloggerinnen", "Blogger(innen)" oder "Blogger/innen" üblich geworden sind, ist auch hier die Schweiz ihren eigenen Weg gegangen. Den der "BloggerInnen" nämlich. Eine Variante, die bei uns immer eine Erscheinung in linken oder feministischen Kreisen geblieben ist. So zumindest mein Eindruck - soweit ich Zugang zu linken und feministischen Kreisen hatte... In der Schweiz scheint diese Schreibweise aber auch in die Verlagshäuser großer Zeitungen vorgedrungen zu sein.
Aber auch hier siegt die Linke, was die bedingungslose Rücksichtnahme auf die Angehörigen des anderen Geschlechts angeht: Unlängst fand ich in einem politischen Blatt den rechten Gegner in aller politischen Korrektheit mit "FaschistInnen" bezeichnet. Man will sich ja keine Unhöflichkeit nachsagen lassen.

Dienstag, 13. März 2007

Kids with Guns

Manchmal frage ich mich in schwachen Momenten, ob ich als Kriegsdienstverweigerer nicht etwas verpasst habe. Wo hat man heute schon noch Gelegenheit, außerhalb der Armee mit Waffen zu hantieren, die über die Luftgewehre auf dem Rummelplatz hinausgehen?
Richtig, in der Schweiz. Wer hier 16 wird, wird automatisch zur Jungschützenausbildung eingeladen. Und dabei wird dann nicht mit Kleinkram angefangen, sondern die Teilnehmer erhalten, da das ganze von der Armee organisiert wird, für den Zeitraum des Kurses das Schweizer Armeegewehr SIG 550 (hier eher bekannt als Sturmgewehr 90). Kostenlos und zum mit nach Hause nehmen. Den Killerspielfreunden dürfte diese Waffe auch aus Counter Strike bestens bekannt sein. Die Munition wird freilich nur zum sofortigen Verschießen abgegeben, aber in manchen Gegenden zeigen wohl ein paar arg mitgenommene Verkehrsschilder, dass dieses System auch Schlupflöcher lässt.
Über all dies musste ich mich gestern Abend erstmal von meinem Mitbewohner aufklären lassen. Doch damit nicht genug: Schließlich weihte er mich in das Geheimnis des Schießens mit der SIG 550 ein. Und auch euch sollen diese nicht vorenthalten bleiben:
  1. den Abzug bis zum Druckpunkt anspannen
  2. Ausatmen
  3. Abdrücken
  4. Einatmen
So einfach.
Langsam wird mir klar, warum dieses Land sich so lange schon keiner Aggression mehr erwehren musste...